Nach einem Zeitungsbericht von 1856 wurden durch den versierten Lithographen und Porzellanmaler Friedrich Brendel nachgemachte Österreich-Ungarische 10-Kreuzer Münzscheine hergestellt und durch Hohenberger und Schirndinger Personen in Verkehr gebracht. Das Ergebnis der Gerichtsverhandlung vor dem Schwurgericht in Bayreuth fand ihren Niederschlag im folgenden Zeitungsbericht:

Baireuth, 27. Novbr. (Schwurgericht) Eine Kunst gehört nicht zu den freien, die Kunst der Nachahmung von öffentlichen Kassescheinen. Dieses Verbrechen war der Gegenstand der vorliegenden Verhandlung. Angeklagt waren der Maler und Lithograph Friedrich Brendel von Weiden, 42 Jahre alt, der Töpfermeister Georg Tagsold aus Hohenberg, 43 Jahre alt, der ledige Schullehrergehilfe Joh. Feiler aus Weiden, 31 Jahre alt, die ledige Anna Feiler aus Weiden, 33 Jahre alt. Die Verlesung der Anklageschrift währte 1½ Stunden. Zur Verhandlung waren 17 Zeugen geladen, darunter auch eine Karoline Fiz, die bereits in Sachsen zu zehnjähriger Strafe des Zuchthauses verurtheilt war, und sich hier unter Eskorte eines sächsischen Gerichtsdieners befand.

In den Jahren 1854 und 1855 machte die k.k. österreichische Regierung die Entdeckung, daß von den im Jahre 1849 emittirten ungarischen Zehnkreuzer-Münzscheinen eine bedeutende Anzahl in dem gegen Sachsen und Baiern angrenzenden böhmischen Landestheile kursiere. Durch sorgfältige Nachforschung war den auch die Regierung so glücklich, einer organisierten Banknotenfälschergesellschaft auf die Spuren zu kommen, die in den Orten des sächsischen Erzgebirges Schönberg, Schönfeld, Unter- sachsenberg, Brambach ihren Sitz hatte, deren leitendes Oberhaupt nebst einem bereits verstorbenen Schneider Karnizko die oben erwähnte Karoline Fiz war, die sich selber als “halber Advokat” bezeichnete. Die Mitschuldigen dieser Banknotenfälschung waren theils in Sachsen, im Gerichtsbezirk Adorf, theils in Oestreich im Gerichtsbezirg Eger, wo noch die Untersuchung geführt, theils in Baiern im Landgerichtsbezirk Wunsiedel verbreitet. In Hohenberg hatte Brendel seine Zusammenkünfte mit der Fiz. Brendel ist der Urheberschaft der Fälschung angeklagt, indem er die Banknoten auf lithographirtem Wege verfertigte. Joh. Feiler der Hilfeleistung I. Grades, weil er bei der Arbeit die Presse gedreht hatte; Anna Feiler seine Schwester, die zu Brendel in einem Liebesverhältnisse stand, der Hilfeleistung III. Grades, weil sie von dem Verbrechen wußte, und unterlassen hatte, der Obrigkeit Anzeige zu machen. Alle gestanden reumüthig ihre That. Einen erschütternden Eindruck machten die Geständnisse Brendels, die Schilderung seiner Noth und seines häuslichen Elends – siebzehn Tage lang hatte er mit seinen acht Kindern täglich nur sechs Kreuzer zum Unterhalt – da nahete der Versucher und er unterlag. Die Bank der Angeklagten ist die letzte Entwicklung dieser Versuchung. Brendel hatte 11732 solcher Scheine gemacht und dafür gegen 600 fl. erhalten. Tagsold ist der Theilnahme an dem Verbrechen angeklagt, indem er Münzscheine von Brendel solle angenommen und dieselben mit dem Vorwissen, daß sie falsch, verbreitet haben. Tagsold stellt entschieden jede Theilnahme in Abrede und erklärt, die Münzschein, von denen er 48 von den Fabrikaten Brendels besaß und einem Töpfergesellen, sowie einer Holzfrau gegeben hatte, von einem fremden, ihm unbekannten Manne unterwegs eingewechselt zu haben. Brendel selbst, obgleich er mit Tagsold bekannt war, weist jede Theilnahme desselben an seinen Verbrechen in seinen Geständnissen zurück. Die zwei gravierenden Gegenstände aber, auf die sich die Anklage hauptsächlich stützt, sind ein Brief, den Brendel, obgleich er das nicht zugibt, an Tagsold bereits im Jahre 1849 geschrieben haben sollte, den Tagsold in Eger verloren hatte, in welchem Briefe erster diesen bittet, ihm Porzellan und Banknotenformulare zu senden. Ferner ein Zettel, den Brendel aus dem Gefängnisse geschrieben hatte, des Inhaltes, man möge “die Fitz’schen” veranlassen, ihre Aussagen bezüglich seiner zurückzunehmen. Wenn dies nicht ein anderer thun wollte, so möge man sich deshalb an Tagsold wenden. Auf diese und mehrere anderer Indicien gründete sich der Staatsanwalt die Anklage der Schuld Tagsold‘s.

Der Präsident des Schwurgerichts stellte an die Geschworenen 5 Fragen:
I: Ist Brendel der Fälschung von Kreditpapieren schuldig?
Antwort der Geschworenen: Ja.

II: Ist Georg Tagsold der Theilnahme an dem Verbrechen schuldig?
Antwort der Geschworenen: Nein.

III.Hat sich Johann Feiler des Verbrechens der Hilfeleistung I. Grades schuldig gemacht? Anwort der Geschworenen: Ja.

IV. Ist Anna Feiler des Verbrechens der Hilfeleistung III Grades schuldig?
Antwort der Geschworenen: Nein.

V. Ist sie des Vergehens der Hilfeleistung schuldig, weil sie dabei kein Interesse leitete? Antwort der Geschworenen: Nein.

Der Ausspruch des Gerichsthofes lautete gegen Brendel auf zwölfjährige, gegen Johann Feiler auf sechsjährige Zuchthausstrafe.

Fränkischer Kurier (Mittelfränkische Zeitung)Nr. 335 vom 1. Dezember 1856, Seite 2

Anmerkungen zu:

Friedrich Brendel: Porzellanmaler und Lithograph, geboren 1813 als Sohn des Handelsmann Brendel aus Wunsiedel. Das Porzellanmalen und die Ausbildung zum Lithographen erlernte er wohl in Weiden. Ab ca 1830 bis 1838 ist Brendel wieder in Wunsiedel als Porzellanmaler tätig. Hier bemalte er in kleinen handwerklichen Betrieben Weißporzellan: Kaffee-Services, Bierkrüge, Pfeifenköpfe, Broschen, Manschettenknöpfe und Grabkreuzschilder. Brendel verheiratet sich am 9.01.1838 in Schirnding mit der Försterstochter Caroline Hahn. Zu diesem Zeitpunkt wird er als Maler und Lithograph in der Porzellanfabrik C.M.Hutschenreuther in Hohenberg genannt. Der Ehe entsprießen 8 Kinder.

1846 bemalt er den Altar in der Schirndinger Kirche in Weiß und Gold, sowie die Altarblätter „Dreieinigkeit“ und „Abendmahl“. Zu diesem Zeitpunkt ist Brendel nicht mehr in der C.M.Hutschenreuther beschäftigt. Friedrich Brendel stirbt vor 1868, Sterbeort unbekannt.

Joh. Georg Tagsold * 1813, Töpfermstr., Sohn des Töpfermeisters Jacob Tagsold zu Hohenberg

Besitzer des HsNr. 30; er ist Bürgermeister in Hohenberg von 1845 – 1848.

Verh. am 1838 mit Christina Zeitler *1817 + 1898 zu Riga, USA; , einzige Tochter des Bauern Georg Zeitler dahier, von HsNr. 87.

Kinder:

Johann Peter *1837 + 1917, Riga/USA; wandert 1853 als 16jähriger nach Amerika aus Dort ist er mit seiner später nachgekommenen Jugendfreundin Elisabeth Kammerer *1841 + 1904 verheiratet.

Georg Wolfgang *1840 + 1901Riga/USA; wandert 1857 als 17jähriger nach Amerika auf dem Auswanderungsschif

„Jubilaeum“ aus. Ank. in New York 5.05.1857. Verh.1867 mit Wilhelmina Steinmüller (*.1844 in Wilsbach/Hessen, +1911 in Riga); der Ehe entsprossen 3 Kinder: Anna *1868, Charles *1869 und Rosa *1882.

Georg * 1842; Catharina Christina *1849, Cath. Barbara *1852 und Christiane Maria *1855: hier P: Maria Zeitler, des Peter Zeitler Ehefrau (in Riga / Michigan).

Joh. Georg Tagsold wandert 1857 mit seiner Familie an Bord der „Eduard“ nach Amerika aus. Ankunft in New York am 5.09.1857. Nachkommen der Familie Tagsold wohnen heute noch in den USA.

Siegfried Röder