Das Anwesen Hirtengasse 2 (alte HsNr. 34) in Hohenberg

1974 wird das Anwesen wie folgt beschrieben: Eingeschossiges, verputzt massives Mansardendachhaus, heutige Gestalt erbaut 1768. Giebeltrapez im Fachwerk mit K-Streben, Gauben mit Satteldach über segmentbogigem Sturzgesims. Fenster und Türrahmungen in Granit, traufseitige Haustüre mit querrechteckigem Oberlicht, seitlich bezeichnet mit 17 / 68. Am Sturz bezeichnet mit F C J E. Stichkappengewölbte Küche mit Resten eines Rauchabzuges („schwarze Küche“), zum Obergeschoß Wendeltreppe in Eiche, mit reich profilierter Spindel, Handlauf mit Brettbalustern. In einem Raum des Obergeschosses Putzdecke über Hohlkehle mit schlichtem Rahmenstuck. (Brix/Lippert: Bayer. Kunstdenkmale) –  Baujahr: vor 1650

milchhofAufnahme um 1900

Als Besitzer sind bekannt:
Adam Pöhlmann, *1629 + 1680, Bürger alhier, weiland Georg Pöhlmanns des Raths hinterl. Sohn. Rath und Gotteshauspfleger, bei seinem Tod heißt es im Sterbebuch „..hinterläßt 7 kl. Waisen..“ Verh. 1655 mit Maria, (*1635 + 1703), Hannsen Prauns im Mühlweg Tochter. Der Ehe entspriessen 8 Kinder. Darunter: Maria * 1663; Schloss-Magd, verh. 1685 mit Hanns Frank (s.u.)

1695 Hannß Franck. Ein Trüpff Häuslein und 1 Gärttlein, hats vor 4 fl. erkauft. Zinst und fröhnet der Herr-schaft: 5 Kr. vor 1 Gartten Hahn, 2 tag schneiden, 10 sk (=Schock) oder 1 tag Bänder machen, 6 tag ungefehr andere Handfrohn, wie säen, egen, Dung laden, Kraut hacken, Flachs rauffen, und …, Zaun-, Rain- und Garten hauen, Streu hacken, worgegen von idem solchen tag 4 Kr. vor Kostgeld bezahlt wird. 3 Klafter Holz hauen oder bezahlt 30 Kr.

Hanns Franckh *1663 + 1729, Andreas Franckh gewesener Hutmanns Sohn zum Röttenbach, itzt bej Hr. Singern, welcher vorn Jahr im Schloß gedient vor einen Jungen. Schwengert eine Schloßmagd Maria (*1663 + 1727), Adam Pöhlmanns Tochter alhier, werden nach außgestandener Kirchenbuß den 23. Aug: 1685 als am X. Sonntag Trinitatis copulirt. Das sie keine Stroh Kränz haben tragen dörfen, sind mit 2 f. Gndl: Herrschafft bezahlt worden und 5 f. Straf. Der Ehe entspriessen 6 Kinder. Darunter sind:

Hans               * 1686 (err.) +1750 in Kirchenlamitz   1)

Elisabeth Sophia * 1690   : V: Hannsen Frank, uf der Böelmännin Hauß..“

Georg               * 1692

1) 1711 wurde lt „Handwerksbuch der Mauerer und Steinhauer“ der in Hohenberg geborene Hans Frank in die Kirchenlamitzer Zunft aufgenommen. Dieser hatte sein Meisterstück in Hohenberg angefertigt. Er heiratet am 13.11.1710 in Kirchenlamitz Elisabeth Sophia Müller (*1684+1728 in Kirchenlamitz). Hier liegen die Wurzeln der späteren Granitwerksbesitzer Familie Frank (um 1890 – 1925) in Kirchenlamitz

1702 Hannß Frank und sein Weib. Ein Sohn, auch vor 2 Personen angesetzt, jede mit 12 Crl. umb der großen Armuth und allerseits betteln willen auf Ratifikation.

1737 Georg Frank, *1692 + 1761, Mauerergesell, später Mulzer und Bräumeister. Verh. 1714 mit Elisabeth (* 1687+1745), Hannß Hoyers von Erkersreuth jüngste Tochter. Der Ehe entspriessen 6 Kinder, davon sterben 5 Kinder noch in Kindesalter.

1768 wird das Anwesen gemäß Monogramm und der Jahreszahl im Türsturz von Florimundus Elbinger, Forstbereiter, neu erbaut.

Hr. Florimanus Claudius Josephus Ellbinger, + vor 1798, Feldjäger und Wildmeister.

Verh. 1773 mit Eva Margarethe (* 1753 + 1819, ) Tochter des Johann Georg Keck (von Hs.Nr.46)(„…ist auf einem sein dem Hochfürstl: Ober-Jägeramt erhaltenen Erlaubnisschein mit seiner Fornicantin …in der Stille copulirt worden…“). Der Ehe entsprossen 9 Kinder. Darunter sind:

Immanuel Heinrich * 1778

(Im Sterbebuch wird der Tod seines Söhnleins festgehalten: Carl August Wilhelm Thomas Elbinger, des Herrn Immanuel Heinrich Elbinger, Compagnie-Chyrurgus bei dem Hochlöbl. Infanterie-Regiment von Zweifel Söhnlein, verstorben 29.July 1807)

Rosina Maria *1782 + 1853;

   Verh.1) 1801 mit Wagnermstr. Joh. Christoph Thoma (1777 + 1849) (Scheidung ? )

   Verh.2) 1807 mit Schneidermstr. Joh. Christoph Röder (1772 + 1808)

   Verh.3) 1810 mit dem Schuhmachermstr. Joseph Pellert.

Ein Bruder von Florimundus Elbinger ist Johann Christoph Elbinger. Im Taufbuch lautet der Geburtseintrag: Lorenz Martin * 6. April 1794, unehelich, V: Joh. Christoph Elbinger, Feldjäger von hier, M: Anna Barbara Wölfel, von hier, P: 1) Lorenz Wölfel, Musquetier unter den Regiment von Graynitz , 2) Marg. Keck von Hohenberg.

Im Partikular wird das Anwesen beschrieben:
1787 No. LIX. Ein bürgerliches unlehenbares Wohnhaus mit einem Mansarden-Dach, wovon eine Stallung, Stadel und Schupfen und gehöret dazu Nr. 33. Ein Kuchengärttlein so an No. CLXVII stößt mit einem Zaun und Nr. 34. ein dergleichen von dem Wohnhaus über die Straße hinüber, ebenfalls mit einem Stagetten Zaun. Davon wird alljährlich zum Casten Amte Wunsiedel entrichtet: 10Kr. vor 2 Garttenhahnen incl. dessen von No. XLIX; 30 Kr. Frohngeld Walburgis und dergl. Michaelis Zinns vid: No. L. Summe 1 g 10 Kr. frk. Versteuert zur Landschaft 3 1/8 g.

1789 Hr. Florimundus Ellbinger: 1 Wohnhaus, tax. 950 f., 1 Stallung tax. 50 f., 1 Schupfen tax.25 f., 1 Scheuern tax.50 f. Summa 1075 f.

1792 wurde das Amtshaus auf Burg Hohenberg zum herrschaftlichen Forsthaus eingerichtet. Die jeweiligen Förster haben nun ihren Dienstsitz auf Burg Hohenberg bis 1925.

1798 Förster Elbingers Wittib, zahlt für das Anwesen 21 ½ Kr. Beitrag für 1075 f. Brandversicherungssumme.

1814 Elbingers Wittib Eva Margaretha. Mit ihrem Sohn Joh. Georg Christoph *1792.

Um 1820 kauft Johann Erhardt Keck, (*1763), (von Hs.Nr.46), Bruder der verstorbenen Witwe Ellbinger, das Anwesen, zahlt die Kinder Ellbinger aus und übergibt am 25.07.1834 das Gut seinem Sohn Andreas Keck (*1794)

1821 Christoph Keck und der Mieter Friedrich Müller (Collecte)

1840 Andreas Keck, *1794 + 1849, Sohn des Joh. Erhardt Keck und Eva Marg. geb. Riedel von Fischern. (Bgm. von 1839 – 1845). Verh. 1834 mit Eva Margarethe (*1812 + 1881) geb. Brunner von der Holzmühle. Der Ehe entspriessen 6 Kinder.

Heinrich           * 1835 verh. 1865 mit Katharina geb. Zeitler

Peter               * 1836

Andreas           * 1838   +.1851

Georg               * 1841   (P: Joh. Georg Keck, des Kindsvater Bruder, Gerbermstr. zu Selb

Marg. Barbara   * 1843   + 1926   verh. 1867 mit Joh. Nicol Zeitler (*1843+ 1927)

Erhardt             * 1848   + 1927   verh. 1878 mit Sophia Barb. Schletz

Die Schwiegermutter von C.M.Hutschenreuther, Justina Maria Henriette Reuß (geb. Böhner) wohnt hier nach dem Tod ihres Mannes, dem Oberförster Ernst Ludwig Reuß, verst. 1819, hier zur Miete bis zu ihren Tode 1852 (im Alter von 90 Jahren).

1850 (Lagerbuch) Ein Wohnhaus mit Zugehör, Stall, Backofen, Holzschupfe mit Keller, Stadel, Hofraum, Gemüsgärtlein am Stadel. Besitzer: die Oekonom Andreas Keckschen Relikten.. Auf diesem Hause ruhet das Gemeinderecht zu einem ganzen Nutzantheil an den unvertheilten Gemeindebesitzungen, das Waidrecht, das allgemeine Bürgerrecht, mit 16,56 Tw. Walzenden Grundbesitzungen. Worauf eine einfache Grundsteuer von 3,649 Kr. und eine Haussteuer von 3 Kr. haftet. Auch ist mit diesem Hause der Antheil an dem Brauhause verbunden. (Lagerbuch)

1871 Peter Keck, *1836 + 1909, Sohn des Andreas Keck und Eva Marg. geb. Brunner von der Holzmühle. Verh. 1874 mit Margarethe (*1849), ält. Tochter des Lorenz Reinel zum Vielitz. Der Ehe entsprießen 4 Kinder: Eduard, Babette, Lisette und Carl (Bauer in Thierstein).

1878 wurde gegenüber dem Anwesen eine Linde durch den „Verschönerungsverein (= der spätere Obst und Garbenbauverein) gepflanzt. An dieser Stelle befand sich vordem eine Ortssäule. Die sogenannte „Friedenseiche“ bei der Sparkasse – Einmündung in den Fischerner Weg – wurde nach Ende des deutsch-französischen Krieges 1871 gepflanzt.

Eduard Keck, *1875, ältester Sohn von Peter Keck. Verh. 1909 mit Katharina (*1888 +1963) geb. Wölfel von Neuhaus. Kinder: 1 Tochter Anna * 1910.

Im Haus wurde ab September 1939 (4 Tage vor Kriegsbeginn) bis Ende April 1950 gegen Lebensmittel-Marken Milch an die Bevölkerung verteilt. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung „Milchhof“ für das Anwesen. Die Milchausgabe erfolgt durch Katharina Keck.

1960 Karl König (*1903 + 1967) verh. 1931 mit der einzigen Tochter Anna von Eduard Keck. Kinder: Die 4 Töchter Irmgard, Marlene, Erika und Katharina. Die späteren Besitzer kümmerten sich nur noch wenig um das Anwesen. Um 2000 beginnender Verfall. Ab 2010 mussten Teile des Hauses aus Sicherheitsgründen abgetragen werden…

Siegfried Röder