Porzellanbildner und Tierbildhauer,
Ehrenbürger der Stadt Hohenberg a.d.Eger

Geboren am 10. Januar 1884 als Sohn der Porzellandrehers-Eheleute Matthäus und Barbara Kärner in Hohenberg a.d.Eger.Verstorben am 6.9.1966 in München im Alter von 82 Jahren.

kaerner_1Bereits als Volksschüler (1890 bis 1897) fiel Theodor Kärner durch sein Zeichentalent auf. Nach seiner Lehrzeit als Modelleur-Lehrling (1898 – 1903) für Gebrauchsgeschirr in der hiesigen Porzellanfabrik C.M.Hutschen-reuther, wollte er ursprünglich in einer Thüringer Figurenfabrik arbeiten. Seine Eltern rieten ihn jedoch davon ab.

Der kunstbegeisterte junge Mann gab keine Ruhe mehr. Zu Ostern 1904 zog es den Zwanzigjährigen nach München. Der Anfang war allerdings wenig erfreulich, als Kärner von dem leitenden Professor der Königlichen Akademie der Bildenden Künste abgewiesen wurde. Anders die leitenden Herren der Kgl. Kunstgewerbeschule, der Vorstufe für die Akademie, Prof. Anton Pruska und Prof. Heinrich Wabere, waren über den talentierten Nachwuchs hocherfreut.

Da jedoch finanzielle Mittel vom Elternhaus ausblieben, mußte die begonnene Ausbildung abgebrochen werden.

Sein Weg führte jetzt zu Professor Albert Bäuml, Leiter der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Der Gönner und Förderer Bäuml stellte ihn jedoch eine ungewöhnliche Bedingung: „Im März ist die Leipziger Messe, arbeiten Sie ein Modell aus; wenn es dort einschlägt, stelle ich Sie in Nymphenburg ein.“ Kärner modellierte einen lebensgroßen „schleichenden Marder“ der die Erwartungen übertraf, Kärner wurde am 15.04.1905 bei Nymphenburg eingestellt. Hier arbeitete der Künstler für die nächsten 13 Jahre in Festanstellung.

„Nachschöpfungen von verlorenen Bustelli-Modellen und Ergänzungen verloren gegangener Teile waren seine Arbeit. Nebenher schuf er aber auch Eigenes, neben Jagdreitern waren es vor allem Tiere, die es ihm von Kind auf angetan hatten. Ob Pferde, Hunde, Wild, Vögel – alles beherrschte er in Form und Zeichnung so vollkommen, wie kaum jemand vor ihm, wie ihm auch der menschliche Körper genau so vollkommen gelang.“ 1)

Während dieser Zeit besuchte er als Hospitant die Akademie der Bildenden Künste. Eigentlich wollte er bei Professor Hahn Bildhauerei studieren, wurde aber von diesem wegen angeblicher geringer Leistung bei der Pro-Forma-Aufnahmeprüfung abgewiesen.

Geheimrat Professor Heinrich von Zügel beurteilte die Kärner´schen Arbeiten hingegen mit mehr Weitblick, nahm ihn auf (1914 – 1921) und gab ihn sogar schon nach 2 Semestern ein eigenes Atelier – eine ganz besondere Auszeichnung. Als Gasthörer und später in Abendkursen eingeschrieben bildete der ehrgeizige Kärner sich weiter.

Anläßlich eines Studenten-Wettbewerbs mit dem Thema „Heimkehr“ erstellte der Maler Kärner eine Bildhauerarbeit: Eine Löwin, die die geschlagene Antilope heimschleppt. Erfolg: ein 1. Preis.

Eine kurze Unterbrechung seiner erfolgreichen Arbeit bei Nymphenburg, erfuhr die kurze Militärzeit vom August bis November 1918.

Die nächste Station in seiner künstlerischen Laufbahn war die Tätigkeit bei der Firma Rosenthal ab ca 1922. Er konnte sogar in München bleiben und von hier aus dem Selber Unternehmen zuarbeiten.

1935 verließ er die Firma Rosenthal, um zusammen mit den Mitgesellschaftern Karl Diebitsch, Bruno Galke und Franz Nagy eine kleine Porzellanmanufaktur in München-Allach zu gründen (Registereintrag vom 3.01.1936), die jedoch bald darauf als „SS-Porzellanmanufaktur Allach GmbH“ von der SS übernommen wurde. Als künstlerischer Leiter dieser Manufaktur schuf Kärner insgesamt 31 Tiermodelle. Berühmt wurde u.a. seine Plastik-Gruppe: „Die Entwicklung der Kavallerie“

Am 20. April 1938 erfolgte die Ernennung zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste München.

Das Kriegsende 1945 brachte für Professor Kärner eine Leidenszeit, da er wegen seiner formalen SS-Zugehörigkeit 2 Jahre im Lager Moosburg inhaftiert wurde.

In den Jahren 1947-52 baute Professor Kärner in der Porzellanfabrik Eduard Haberländer, später Oscar Schaller in Windisch-Eschenbach zusammen mit Direktor Karl Bayreuther eine Kunstabteilung auf, in der zahlreiche Plastiken entstanden, Mit dem Tod Bayreuthers wurde die Kunstabteilung wieder aufgegeben.

Seit 1953 arbeitete der Künstler Theodor Kärner wieder bei der Fa. Rosenthal als freier Mitarbeiter.

Bei einem Besuch am 19. August 1955 bei seinem Jugendfreund , dem Graphiker und Graveur Karl Neidhardt in Hohenberg wurde die Idee geboren, das Hohenberger Schulhaus (erbaut 1953) mit ähnlichen Wandgemälden zu versehen, wie sie Professor Kärner für die neue Schule in Windisch-Eschenbach schuf. Bei weiteren Gesprächen Kärners mit seinem Freund Neidhardt und dem Schulleiter Erwin Schaller wurde das Projekt aus praktischen Erwägungen zu einem großformatigen Gemälde geändert.

In den folgenden Wochen wurde das Lehrerzimmer im Hohenberger Schulhaus zu einem Atelier umgewandelt.

In der Zeit vom 24.August bis 20. Oktober 1955 malte der 74Jährige das großformatige Gemälde (155 x 260 cm) „Alte Postkutsche am Sachsenberg“, das seit August 2011 im Eingangsbereich des Ärztehauses einen würdigen Platz gefunden hat. In dieser Zeit entstanden weitere Werke: „Röhrender Hirsch“, „Zusammenbrechender Hirsch“ „Gemsbock“ und „Rehbock“ für die Hohenberger Schule.

Auf Antrag des Schulleiters Erwin Schaller vom 16.09.1955 und mit einstimmigen Stadtrats-Beschluss vom 19.091955 wurde Professor Theodor Kärner in einer Feierstunde in kleinem Rahmen in der Schule am 25. September 1955 „in Würdigung seiner außerordentlichen Leistungen auf dem Gebiete der Tierplastik und Tiermalerei“ das Ehrenbürgerrecht der Stadt Hohenberg verliehen.

„Theodor Kärner hat der bildhauerischen Auseinandersetzung mit der Porzellantierplastik jener Zeit einen neuen Weg gewiesen. Ohne die großen Leistungen anderer Tierbildhauer in der Porzellanplastik jener Zeit auch nur in geringsten schmälern zu wollen, ist zu betonen, dass es sich bei Theodor Kärner um eine der führenden Begabungen auf dem Sektor der in Porzellan ausgeführten Jugendstiltierplastik in Unterglasurmalerei handelt. Vielleicht war die ungewöhnlich gründliche, kunsthandwerkliche Ausbildung in seiner Jugend ein Hauptgrund dafür, dass Theodor Kärner ein Modelleur war, dem alles Technische wie spielend von der Hand ging.“ 2)

kaerner_2Bleistiftskizze des 12jährigen Theodor Kärner

Ausstellungen:
Auf Anregung von Bürgermeister Gustav Landgraf hatte sich die Schulleitung entschlossen, am ersten Kirchweihtag am 23. Oktober 1955 eine Ausstellung der neuesten Gemälde von Prof. Theodor Kärner in einem Schulraum zu veranstalten.

Theodor Kärner Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag im Museum der Deutschen Porzellanindustrie Hohenberg an der Eger, 28. Juli – 31. Oktober 1984

Quellen:
Die vorstehende Kurz-Biographie des Professors Theodor Kärner entstand aus Gesprächen, die der damalige Schulleiter Erwin Schaller, Hohenberg a.d.Eger, mit Kärner führte. Schaller hielt seine Aufzeichnungen in Bd. I S. 164 ff der Hohenberger Schul- und Ortschronik fest.

1) Prof. Carl Diebitsch: Die Schaulade   April 1957, Seite 269/270

2) Dr. Gerhard P. Woeckel: Der bayerische Tierbildhauer Theodor Kärner. Schriften des Museums der Deutschen Porzellanindustrie, Bd. 3

3) Manuskript Bayerischer Rundfunk: Dr. Ellen Mauerer. Die SS Porzellanmanufaktur in Allach bei München. Gesendet am 24.07.1993 in Bayern II, 11,30 – 12.00 Uhr.

Siegfried Röder