Vom Werdegang eines Kinos…

Für die Umstellung von Stumm- auf Tonfilm-Technik war der bisherige Vorführapparat nicht geeignet; eine neue tonfilmtaugliche Apparatur, Typ Bauer W 7, wurde 1932 mit allem Zubehör für 3450 RM erworben. Dazu kam ein zweiter rauscharmer Lautsprecher. Zur Tilgung der Schulden wurden neue Anteilsscheine im Nennwert von 5 – 100 RM mit 5%iger Verzinsung ausgegeben, Rückzahlung durch Verlosung nach 3 Jahren. Der Stadtrat unterstütze mit 200 RM das Unternehmen.

Lamm-Lichtspiele

Von 1938 bis 1941 wurde weiter verbessert und modernisiert. Eine zweite Maschine, Typ Ernemann II, wurde für 1700 RM angeschafft, um die Pausen während des zeitraubenden Rückspulens zu umgehen.

Das Kino versah man mit bequemen Klappstühlen, der Vorführraum mit Unterstützung von Karl Röder erneuert, der Balkon mit 50 Sitzplätzen ausgebaut, eine neue Spezial-Leinwand aufgezogen, Teppiche und Kokosläufer im Zuschauerraum verlegt. (Kosten ca 4000 RM).

Von 1940 – 1943 erlebte das Kino seinen größten Aufschwung. Ab 1.März 1942 übernahm Karl Röder das Kino. Laut Verordnung der Reichsfilmkammer – Gesetz vom 12.02.1942 – durfte künftig nur eine Privatperson als Kinobesitzer in Erscheinung treten.

Die anberaumte Generalversammlung des Pfeifenclubs setzte den Verkaufspreis nach vorheriger amtl. Schätzung auf 7700 RM fest.

Bereits um 1936 hatte Karl Röder den Gasthof „Zum Weißen Lamm“ von den Gebrüder Fritz und Balthasar Weiß, Brauereibesitzer in Arzberg gekauft, die den Gasthof seit 1898 in Besitz hatten und ihn verpachteten. Karl Röder wohnte weiterhin in Schirnding und bewirtschaftete dort den Gasthof „Ruß“. Nach dem tödlichen Motorradunfall seines damaligen Pächters Hans Friedrich Röder (*1893-1938) zog Karl Röder nach Hohenberg und bewirtschaftete den Gasthof selbst.

In den letzten Kriegstagen im April 1945 wurde das Anwesen mitsamt Kino durch Kriegseinwirkung schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ebenso ging das gesamte Vereinsinventar des Pfeifenclubs verloren.

Am 19. September 1946 wurde der Verein „Pfeifenclub“ aufgelöst, vorhandene Aktenstücke wurden beim Stadtrat hinterlegt, das Barvermögen unter die Mitglieder aufgeteilt. Dem Stadtrat wurde der Betrag von 1000 RM zur Schaffung einer Turmuhr ausgehändigt, jedes minderjährige Kind von Vereinsmitgliedern erhielt ein Sparkassenbuch mit 50 RM Einlage.

Unter großen Mühen ließ Karl Röder zwischen 1946 und 1949 den Gasthof und auch die Lichtspiele neu erstehen. Am Samstag, den 21. Mai 1949 eröffnete Röder in einer kleinen Feierstunde (unter Mitwirkung der Kapelle Thumser und des Männergesangsvereins) die „Lamm-Lichtspiele“. Durch die Einnahme von Vergnügungssteuer und Notgroschen (10 Pf. Abgabe pro Besucher) erfuhr auch das leere Stadtsäckel eine gute Einnahmequelle.

„Karl Röder begrüßte vor jeder Vorführung, mit Krawatte und im weißen Arbeitsmantel gewandet, von der Bühne herab die Kino-Besucher.“

Karl Röder verstarb am 9.05.1953.Das Kino führte nun der neue Besitzer Fritz König (*1917+1974, verheiratet mit der Tochter Elli von Karl Röder weiter.

Nachdem noch am 18. Januar 1954 der Film „Primanerinnen“ lief, sollte das Kino geschlossen werden. Vom 16. bis 18. Januar 1954 mussten die Kinobesucher zu Beginn der Abendvorstellung die „Grabrede“ des Inhabers Fritz König zur Kenntnis nehmen, in welcher er die Gründe darlegte, dass er unter dem Druck der Verhältnisse die Vorführmaschinen des Kinos abbauen müsse, um damit im neu erbauten Kino in Schirnding eine neue Existenz aufzubauen. Wie vor den Kopf geschlagen, nahmen die Besucher der Vorstellung „Primanerinnen“ diese Worte zur Kenntnis.

Schon lange regte sich auch in Schirnding immer mehr der Gedanke, dort selbst ein Kino zu bauen, um der dortigen Bevölkerung den oft beschwerlichen Weg nach Hohenberg (bzw. Arzberg) zu ersparen. Nach Übereinkunft mit dem Schirndinger Bürgermeister Heinrich Seltmann übernahm Fritz König am 23.01.1954 das Schirndinger Kino mit seinen Hohenberger Maschinen als Pächter.

Das wollten jedoch die Hohenberger nicht hinnehmen. In der Presse war anfangs 1954 zu lesen:
„Bürgermeister Landgraf und seine Stadtväter ermöglichen Wiedereröffnung des Lichtspiel-Theaters. Das Hohenberger Kino, über dessen Leinwand am 16. und 17. Januar 1954 der letzte Film „Primanerinnen“ lief, um eine kurze Zeit geschlossen zu bleiben, wird am heutigen Samstag, den 27. März 1954 um 20 Uhr im Kino-Saal des Gasthofs „Weißes Lamm“ feierlich wiedereröffnet, wobei der Erfolgsfilm „Im weißen Rössl“ über die Leinwand rollt. Wir wünschen dem Unternehmen auch weiterhin guten Erfolg.“

Der Initiative des Bürgermeisters und des Stadtrats war es zu danken, dass für König ein billiger Kredit zur Beschaffung zweier neuer Vorführmaschinen besorgt werden konnte. Hohenberg hatte wieder ein Kino.

Anm.: Die Kinovorführungen wurden anfangs der 60er Jahre mangels Besucherzahlen aufgelassen. Das Fernsehen trat seinen Siegeszug an.

(nach Unterlagen aus dem Stadtarchiv Hohenberg)
Siegfried Röder