Der Umgang mit den Schwächeren, sozial  benachteiligten, kranken und älteren Mitbürgern zeichnet den Wert einer Gesellschaft und das gedeihliche Miteinander in unseren Leben aus. Wohltätigkeitsstiftungen der Kirchen, Kommunen oder von Einzelpersonen tragen wesentlich zur Unterstützung bedürftiger Menschen bei. Auch in Hohenberg fanden sich Personen, die sich dem Allgemeinwohl sich verpflichtet fühlten und  helfen wollten, sich der in Not befindlichen  Mitbürger anzunehmen.

So lässt sich  laut Pfarrbeschreibung eine Brezenverteilung an die Schulkinder bis in das Jahr 1748 zurückverfolgen, wofür der Betrag von 40 Kr.  in den Kirchenstiftsrechnungen aufgelistet ist. Vom Jahre 1761 heißt es in der Kirchenstiftsrechnung: „1 fl. 48 Kr. erhielt Joh. Jacob Träger alhier vor Brezen, welche an die Kinder beim Schulexamen ausgeteilt wurden,“

In jener Zeit wurden die Brezen alljährlich nach dem „Schul-Examina“ am Schulschluss ausgeteilt. Noch um die Jahrhundertwende wurde das Backwerk, jetzt an Fastnacht, zum Betrag von 18 M an die Schulkinder verteilt
(Pfarrbeschr. 1910, S. 96)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde an diesem Brauch festgehalten, nur das jetzt die Brezen zur Fastnacht vom Bürgermeister verteilt wurden. „Am 10. Februar 1947 wandten sich Bgm. Landgraf und der Obmann des Bauernverbandes Rudolf Zeitler an alle hiesigen Bauern mit der Bitte, etwas Weizen zu spenden um dadurch den alten Brauch wieder aufleben zu lassen, den Schulkindern an Fastnacht Brezeln zu schenken. Die Sammlung bei den Landwirten  erbrachte fast einen Zentner Weizen.“

„Da wurden im Laufe des Vormittags 3 Waschkörbe voll Brezeln angeliefert. Dann erschien zur Brezelverteilung der Bürgermeister. Zuvor sangen die Schüler das „Hobercher Faschingslied: Hoh´berch is schäi ja, ja, sell mou ma  g`schtäi“. Jeder Schüler bekam dann  3 Brezeln, die  an einer Schnur aufgereiht am Hals getragen wurden. Das Stadtoberhaupt sprach einige passende Worte und lud anschließend die Schulkinder zum Kinderfasching am Nachmittag ein.“

Dagegen hat eine andere Stiftung wohl das Zeitliche gesegnet.  In der Rechnung von 1748,  S. 111 heißt es: „40 fl. von weiland  Herrn Gottfried Nürmberger, ehemaliger Baron Altenstein`schen

Verwalters zu Schlottenhof, den 17. Dezember 1746 mit dieser Kondition zum  hiesigen Gotteshaus beginnt und verrechnet worden, dass alljährlich, und zwar um Lichtmess von den 2 fl. frk. abfallenden Zins -,48 Xr. Brot unter die hiesigen Hausarmen, ingl -,24 Xr. den beiden Gotteshauspflegern für ihre Bemühung beim Brotausteilen gegeben und die übrigen -,48 Xr, dem Gotteshaus verbleiben sollen wie solches der beiliegenden Extract  Testamenti sub 4. Febr. 1749 bezeugt.“  (Pfarrbesch. 1910, S. 96)

Als kirchliche Stiftung erscheint die Mühlsteinsche Stiftung. über 300 fl. = 514 M 29 d, ein testamentarisches Legat, das 1877 von der dahier am 17.07 1877  im Alter von  74 Jahren verstorbenen Ober-Försterswitwe Margaretha Mühlstein (HsNr.14) gestiftet worden ist mit der Maßgabe, dass von dem Zinsertrag Wachskerzen beschafft und an jeden Sonntag  1 Paar Kerzen auf dem Altar angezündet werden. Genehmigt 13. Okt. 1877. Als Testamentsvollstrecker erscheint hier Philipp Auvera.                                                          (Pfarrbeschreibung 1867, S. 32.)

In einem weiteren Vermächtnis vom 22.08.1877 vermacht genannte Witwe Mühlstein ein Legat über 1000 fl. (=1714.29 M) zur Gründung eines Spitals (=HsNr. 22) für Kranke und Arme. (Armenpflegerat   Bd. 013 1876-1880/81) Weiter vermacht die Witwe 100 fl., von deren Zinsen der Unterhalt und die Pflege ihres Grabes bestritten werden sollen.

Weitere Wohltätigkeitsstiftungen werden vom Magistrat bzw. von dem Armenpflegschaftsrat verwaltet:

Die „Singer´sche Konfirmandenstiftung“ mit einem Kapital von 500 M, errichtet 1894 von der Elisabeth Singer, Gastwirtswitwe dahier, [Gasthof „Weisses Lamm“] mit der Bestimmung, dass die anfallenden Zinsen zur Bekleidung armer Konfirmanden verwendet werden.

Anm.: Der Gastwirt Joh. Daniel Singer (1808+1870) war in 2. Ehe mit Elisabeth Marg. Singer (=Witwe des weiland Joh. Lorenz Geyer von Buchwald) verheiratet.

Die „Wolf´sche Familienstiftung“ über 1500 M Kapital, errichtet von der Witwe des am 14. Mai 1897 dahier verstorbenen Fabrikbesitzers Kommerzienrat Heinrich Wolf (*5.05.1834 zu Bischofs-grün), mit der Bestimmung, dass die Zinsen zur Pflege des auf dem hiesigen Friedhof befindlichen Wolf`schen Familiengrabes dienen sollen. Genehmigt mit Reg. Entschl. vom 9. Januar 1904 Nr. 447.

Anm.: Sophian Heinrich Wolf  ist mit der jüngsten (5.) Tochter Marie Louise Adeline von C.M.Hutschenreuther verheiratet.

Ferner die „Albert Hutschenreuther´sche Weihnachtsstiftung“ mit einem Kapital von 2000 M, errichtet am 7. Dezember 1905 von dem früheren Mitbesitzer der hiesigen Porzellanfabrik, Kommerzienrat Albert Hutschenreuther, 2. Sohn des Christian Hutschenreuther. Albert, geb. am            9.10.1845,  verst. am 5. August. 1912 in Hof und in Hohenberg beerdigt, mit der Bestimmung, dass die anfallenden Zinsen alljährlich verwendet werden, würdigen und bedürftigen Einzelpersonen bzw. Familien eine Weihnachtsfreude zu bereiten.

Eine weitere Stiftung  soll hier genannt werden, die Hugo Auvera Stiftung. Hugo Auvera (jun.) war ab 1905 Betriebsleiter in der C.M.Hutschenreuther in  Hohenberg, später bis 1927 als Generaldirektor im „Hutschenreuther Konzern“ tätig. Nach weiteren Stationen übersiedelt Hugo Auvera nach Nürnberg, wo er seinen Lebensabend bis zu seinem Tod am 14.12.1963 verbringt. Nach seinem 80- Geburtstag am 23. Juni 1960 verfolgt er die Idee einer Stiftungsgründung und setzt sie kurz darauf in die Tat um. Er gründete zwei Stiftungen: eine in Bayreuth und eine in Nürnberg. Der Stiftungszweck lautet: „Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar mildtätige Zwecke durch einmalige oder laufende Unterstützung bedürftiger Mitglieder und bedürftiger Witwen und Waisen ehemaliger Mitglieder der Freimauererloge „Albrecht Dürer e.V“ in Nürnberg. Darüber hinaus können auch bedürftige Personen, die außerhalb dieses Kreises stehen, sowie Körperschaften, Anstalten usw. unterstützt werden.“

Siegfried Röder
im Juli 2017