Der Titel des königlich bayerischen Kommerzienrats wurde seit 1880 nur an ausgesuchte Personen aus dem Wirtschaftsleben verliehen, wenn deren guter Ruf und finanzielle Bonität über jeden Zweifel erhaben waren. Sie mussten sich darüber hinaus durch besondere wirtschaftliche Leistungen und meist auch durch Verdienste für das Gemeinwohl ausgezeichnet haben. Deshalb war dieser Titel für manchen Unternehmer ein lockender Anreiz, sich auf diesem Gebiete hervorzutun.

Die nächsthöhere Stufe, der Geheime Kommerzienrat (auch Geheimrat) machte hoffähig“, d. h., dem Geehrten, seiner Frau und den Töchtern wurden der Zugang zum gesellschaftlichen Leben am Fürstenhof gewährt.

Die Abschaffung des Titels beruhte auf der Verfassung des Deutschen Reiches 1919,  die in Artikel 109 Absatz 4 bestimmte: „Titel dürfen nur verliehen werden, wenn sie ein Amt oder einen Beruf bezeichnen; akademische Grade sind hierdurch nicht betroffen.“ Trotzdem wurde der Titel von den einzelstaatlichen Regierungen in teilweise erheblichem Umfang weiter verliehen (so in Bayern allein in den Jahren 1920–1925 in 318 Fällen). In den Jahren von 1880 bis um 1928 sind in Bayern ca 1900 Kommerzienräte verliehen worden.

In Hohenberg wurden folgende Persönlichkeiten mit dem Titel „Kommerzienrat“ ausgezeichnet:

Auvera Carl Michael
Fabrik-Direktor und Aufsichtsratsmitglied der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik

*27.10.1855 Würzburg +26.04.1914 zu Arzberg, ältester Sohn von Philipp Ambros Auvera,

Verheiratet 1878 mit Katharina Barbara Bertha Blechschmidt von der Kieselmühle. Der Ehe werden 6 Kinder geboren. Das  Bürgerrecht in Hohenberg besteht seit 1878.

Der Titel eines kgl. bayer. Kommerzienrates wird ihm am 1.01.1909 verliehen.

Carl Auvera kauft mit 29 Jahren die von Lorenz Äcker 1839 gegründete Porzellanfabrik in Arzberg und betreibt ab 1884 das Unternehmen. Seit 1890 ist er wiederholt als Gemeindebevollmächtigter und Magistrat für Arzberg tätig. Lange Zeit wirkt er als Vorsitzender der Sektion IX (Regensburg) für die Töpferei-Berufsgenossenschaft und ab 1904 auch als Aufsichtsratsmitglied der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg.

Carl Auvera erbaut 1901 in Arzberg an der Weinberggasse eine repräsentative Großvilla im reinen Jugenstil.

Auvera Hugo Caspar Viktor, sen.,
Geschäftsführender Fabrikdirektor der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik seit 1905

* 4.05.1857 zu Würzburg  + 9.07.1918 in München, 2. Sohn von Philipp Ambros Auvera.

Verheiratet  1886 mit Friederike Antonie Hedwig Fricke von Berlin. Der Ehe werden drei Kinder geboren.

Das Bürgerrecht erhält er 1886 In Hohenberg und ist Ehrenbürger der Stadt Hohenberg seit 1912.

Der Titel eines kgl. bayer. Kommerzienrates wird ihm 1910 verliehen.

Hugo Auvera sen. tritt 1886 in die Leitung der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik ein. Sein Hauptaugenmerk und Förderung gilt der Porzellanmalerei, was sich positiv auf die künstlerische Dekoration der Produkte auswirkt. 1904/05 werden Hugo Auvera sen und seine Neffe Hugo Auvera jun die geschäftsführenden Direktoren der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg.

Hugo Auvera sen. liegt das Allgemeinwohl in Hohenberg sehr an Herzen. Als Mitglied zahlreicher Vereine nimmt er aktiv am örtlichen Geschehen teil. So bei der Wiedergründung des Turnvereins 1884. Als Freund und Förderer des Männergesangvereins spendet er 1908 dem Verein ein Klavier. Als Kommandant und Hauptmann bringt er sich in die Freiwillige Feuerwehr ein.

Hutschenreuther Albert Simon Richard
Fabrikdirektor der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik.

*9.10.1845 + 4.08.1912 zu Hof, beerdigt in Hohenberg. 2. Sohn von Christian Hutschenreuther

Verheiratet 1873 mit Louise Babette Walther, Tochter des Oberförsters Walther zu Hbg. Der Ehe werden 3 Kinder geboren.

Der Titel eines kgl. bayer, Kommerzienrates wird ihm 1904 verliehen.

Albert Hutschenreuther, ein sehr begabter Techniker, absolviert das Technikum in Nürnberg und erwirbt sich umfassende fachliche Kenntnisse während seiner Studienjahre  in den Porzellanfabriken, Kopenhagen, Limoge und Sèvre in Paris. Als 32Jähriger tritt er in die Geschäftsführung der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik ein. Hauptarbeitsgebiete sind hier die Modernisierung der Brennprozesse in der Umstellung von Holz auf Braunkohle und Optimierung der Prozesstechnik der Porzellanherstellung, die Entwicklungsarbeiten zur Vervollkommnung des Ätzgold-Verfahrens und insbesondere die Herstellung des  berühmte Hohenberger Kobaltblau (Bleu royal). Ende 1904 wandelt Albert Hutschenreuter das Werk Hohenberg  in eine Aktiengesellschaft um

Albert Hutschenreuther kümmert sich auch um das Allgemeinwohl seiner Heimatstadt. So als Mitbegründer der Hohenberger Feuerwehr 1873, bereits 1862 tritt er dem örtlichen Turnverein bei. Wenig später wird er zusammen mit „…Madame Hutschenreuther sen., Herr Christian Hutschenreuther, Herr Wolf, Herr Philipp Auvera und Herr Revierförster Walther… zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Gemäß Stiftungsurkunde vom 7.12.1905 errichtet Albert Hutschenreuther die „Albert Hutschenreuther`sche Weihnachtsstiftung“ und stattet sie mit 2000 Mark aus. Stiftungszweck ist die jährliche Verteilung der Zinsen zu Weihnachten an „der dahier beheimateten (bedürftigen) Familien, resp. deren Kindern.“  So wurden bis Ende 1922 jedes Jahr der Zinsertrag von 70 Mark an 12 Bedürftigte ausgeschüttet..

Schilling Louis
Fabrikdirektor in der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik.

*2.04.1874 zu Wetter a.d.Ruhr  +   nach 1950. Ältester Sohn von insgesamt 8 Kindern des Brauerei Direktors Louis Schilling in Berlin-Friedenau

Verheiratet 1911 mit Gertrud Thiesen (*1881 in New Orleans). Die Ehe bleibt kinderlos.

Der Titel eines kgl. bayer. Kommerzienrates wird  ihm am19.12.1927 verliehen.

Louis Schilling tritt 1904 in die Firma ein. Seit 1. Juli 1909 ist er amtierender Vorstand und Leiter des Unternehmens. Zum Jahresende 1939 wird Louis Schilling in den Ruhestand verabschiedet.

„Es ist das Verdienst von Louis Schilling, die Güte der Leistung in jeder Weise gesteigert und das Ansehen der alten Firma vermehrt zu haben. Seine ruhige, kaufmännisch vornehme und zuverlässige Art  haben auch die alten Traditionen in den Beziehungen zur Kundschaft weiterpflegen lassen.“

Stöhr Karl Christoph, Architekt und Bauunternehmer, Inhaber des Münchener Baugeschäfts gleichen Namens. Gegründet 1886.

*21.05.1859 in Hbg.  +14.10.1931 zu Nesselwängle/Tirol; beerdigt im alten Teil des Waldfriedhofs in München, Ältester Sohn des Johann Martin Stöhr von der Hohenberger Hammermühle.

1886 wird ihm dass Bürger- und Heimatrecht in München verliehen.

Zum Geh. Kommerzienrat wird er am 22.12.1925 ernannt..

Nach der Gründung  des Baugeschäfts „Karl Stöhr KG“ 1885 baut  Stöhr zusammen mit seinem jüngeren Bruder und späteren Teilhaber Adolf Carl Friedrich Stöhr (*1878)  in den nächsten Jahren zahlreiche Gebäude. Er entwirft mit den Architekten Alexander Blum und Joseph Rank die Pläne für das 1896 eröffnete Deutsche Theater. Weitere, heute unter Denkmalschutz stehende Bauten in München sind z.B. das Hotel Rosengarten, das ehemalige Ballin-Haus sowie weitere Geschäfts-, Büro- und Miethäuser, die nach Stöhrs Plänen errichtet wurden. An den Umbauarbeiten 1928/29 zum Evang. Landeskirchenamt in der Münchener Arcisstraße Nr. 13 (Grundsteinlegung 1928 und Richtfest Januar 1929) „obliegt die technische Ausführung der Baufirma des Geh. Rates Karl Stöhr und seines Teilhabers Kommerzienrat Adolf Stöhr.“

Auch bei mehreren in Südbayern nach dem 1. Weltkrieg erbauten Wasserkraftwerken spielt das Baugeschäft und Architekturbüro Stöhr eine maßgebliche Rolle.

Als eines seiner letzten Projekte wird in Bad Alexandersbad die Evang.-Luth. Kirche 1929/30 nach den Plänen des Geh. Kommerzienrats Karl Stöhr  im neuzeitlichen Stil errichtet und am Pfingstmontag 1930 auf den Namen „Heilig-Geist-Kirche“ geweiht.

Stöhr Adolf Carl Friedrich, Teilhaber der Fa. Baugeschäft Karl Stöhr & Co in München

*20.12.1878 zu Hbg., +  k. A., jüngster Sohn des Joh. Martin Stöhr von der Hohenberger Hammermühle.

Zum kgl. bayer. Kommerzienrat wird er am 22.12.1926 ernannt.

Wolf Heinrich Sofian, Werksführer in der C.M.Hutschenreuther Porzellanfabrik.

*5.05.1834 in Bischofsgrün + 14.05.1897 zu Nürnberg, beerdigt in Hohenberg.

Verheiratet 1860 mit  Karoline Wilhelmine Sophie Hutschenreuther, jüngste (5.) Tochter von C,M,Hutschen-reuther. Der Ehe werden 3 Kinder geboren.

Das Bürgerrecht in Hohenberg wird ihm 1861 erteilt. Die Verleihung des Titel eines kgl. bayer. Kommerzienrates erfolgt 1882.

Heinrich Wolf bekleidet viele Ämter: Von 1869 bis 1873 ist er Bürgermeister von Hohenberg, 1867 Chorleiter und 1873 Vorstand des örtlichen Männergesangverein. Zusammen mit Albert Hutschenreuther setzt Heinrich Wolf einen Magistratsbeschluss  um, demnach beide 1873 die Hohenberger Feuerwehr gründen.. Als 1. Vorstand der FFW wirkt er von 1873 bis 1888.

Wolf hat auch politische Ambitionen, er bringt es sogar bis zum Landtagsabgeordneten in München. Durch seine politische Begabung ist er bei vielen amtlichen Stellen bekannt und beliebt. Als „..sehr loyaler und gerechter Mann, höchst uneigennütziger Förderer öffentlicher Interessen“ in den Regierungsakten gewürdigt, wird er zu den „rührigsten Mitgliedern“ der Oberfränkischen Handels- und Gewerbekammer gerechnet..

Siegfried Röder, im Dez. 2016