Gemäß eines Fundberichts1) von Dr. F.W.Singer (Arzberg) fand der Hohenberger Porzellanmaler Fritz Korb im Jahre 1941 auf seinem Acker PlNr. 229 nahe dem Weg von der Pfeiffermühle zur Hammermühle in der Flur „Zäunig“ (mdartl. im Zaina) einen sechseckigen Stern aus Goldblech. Der gesäuberte Fund landete bei seinem Freund Christoph Weid zum Einschmelzen. Zum Glück landete das Stück aber nicht im Schmelztiegel, sondern bei Dr. F.W.Singer, der den geschichtlichen Wert des Fundes vermutete und diesen an Archäologen an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg und an das Römisch-Germanische Zentral-Museum in Mainz 1958 zur Begutachtung übersandte.

Beim Fundstück „handelt es sich um einen sternförmigen Goldanhänger mit zentral eingesetztem Türkis. Auf einen äußeren sechseckigen Stern von 2,6 cm Durchmesser ist erhöht ein innerer sechseckiger Stern von 1,6 cm Durchmesser aufgesetzt, dessen Mittelzone in einer hochkantig rund und glatt getriebenen Fassung den geschliffenen Edelstein umfasst. Der Stein ist heute in der Fassung zurück gerutscht. Die übrigen Einlagen im Stern fehlen. Die ebenfalls sechseckige Goldblechscheibe der Rückseite zeigt ein flachgetriebenes Reliefornament von dreieckig und rautenförmig angeordneten Blättern, unterteilt von radialen Stäben, die sich zentral in einer Rosette vereinigen. Das Schmuckstück wurde, wie die vier symmetrisch an den Seiten angelöteten Ösen ausweisen, als Hängezierat getragen.“

Die seitlichen Bandösen legen auch eine Verwendung als Zier eines zweibahnigen Halsbandes, ähnlich byzantinischer Vorbilder, nahe.

Goldblech

Die von Dr. Singer 1958 angesprochenen Fachleute datieren den Fund frühestens aus karolingischer Zeit, vielleicht erst aus der Wende des 9. zum 10. Jahrhundert entstanden. Als ein Indiz dafür wird das Ornament auf der Rückseite mit Dreiblättern und trapezförmig angeordneten Blättern angesehen. Ähnliche Ornamentik findet sich aus Gräberfunden des 9. Jahrhunderts in Ungarn.

Es ist denkbar, daß das Schmuckstück mit einem der Ungarneinfälle im 10. Jhdt. nach Thüringen und Sachsen (Riade, 933) zusammenhängt. Die Invasoren wären demnach über Böhmen her kommend – dem Egerfluß folgend-  in westlicher Richtung gezogen. Einer dieser Streifzüge könnte über die von E. Jäger2) 1996 aufgefundene Altstraße gefolgt sein, die, von Eger her, über Zettendorf, Markhausen, böhm. Fischern, bei der Hammermühle (Confinhaus) die Eger kreuzte und nördlich den Hohenberger Burgberg umging, also genau bei der Fundstelle.

Aufhorchen läßt hier auch die Meinung des Nürnberger Prähistorikers Dr. Georg Raschke3), der das im 10. Jahrhundert mit halbkreisförmigen Holz-Erdemauern und Gräben umschlossene Alt-Eger als ein Ungarn-Refugium bezeichnet.

Mit dem Lesefund liegt damit um das Jahr 1000 ein erster Hinweis auf hochgestellte Personen im Egertal vor, was die Bedeutung des Fernwegs durch das Fichtelgebirge betont.

Siegfried Röder

1) Sechsämterland, Nr. 5; 19.Juli 1958, heimatkundliche Beilage der „Sechsämter Neueste Nachrichten“, Arzberg, (redigiert von Dr. F.W.Singer)

2) Jäger, Elisabeth in: Archiv Oberfranken, Bd. 76, S. 61 ff, 1996