Nachdem dieses Projekt bereits 1912 schon einmal in Planung war, durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges aber eingestellt wurde, ließ eine Notiz im „Selber Tagblatt“ vom 3. März 1925 aufmerken. Die Zeitung schreibt unter der Überschrift:

„Neues Bahnprojekt. Am Sonntag den 22. Februar 1925, fand in Hohenberg an der Eger eine Interessentenversammlung statt, bei welcher Vertreter von Wunsiedel, Thiersheim, Hohenberg und Liebenstein anwesend waren. Zur Besprechung stand ein Bahnprojekt, das schon vor dem [1.] Kriege teilweise erörtert wurde. Die bereits bestehende Bahnlinie Tirschnitz-Franzensbad soll erweitert werden nach Seeberg-Fischern-Hohenberg, links des Steinbergs entlang in der Richtung Dietersgrün-Stemmas-Neuenreuth und in die Linie Selb-Holenbrunn einmünden. Außerdem soll die Linie Wunsiedel-Leupoldsdorf bis Bischofsgrün durchgeführt und als Vollbahn ausgebaut werden. Die Vorarbeiten wurden für den westlichen Teil dem Bürgermeister von Wunsiedel, für den östlichen Teil dem Bürgermeister von Hohenberg und Inspektor Kleemeier übertragen.“

Laut Anwesenheitsliste nehmen an der Sitzung, die im Hohenberger Harmonielokal auf Anregung des Herrn Apothekers Seydell und Bgm. Rädel, beide von Thiersheim stattfindet, 47 Personen teil, darunter 14 Personen aus Hohenberg.

Bereits am 8. April findet eine erste Streckenbegehung der möglichen Trasse unter Leitung des beauftragten Ingenieurbüros W. Miller, Nürnberg, statt, dessen Ergebnis in den beteiligten Orten lebhaft diskutiert wurde.

Die nächste Versammlung findet lt. Protokoll im Gasthof „Zum weißen Lamm“ in Hohenberg am 3. Mai, Nachmittags 2 Uhr, statt. Die Anwesenheitsliste nennt diesmal 88 Personen.

Darüber berichtet die Egerer Zeitung; „ Hohenberg, 1925. Am Sonntag den 3. Mai fand dahier eine Interessentenversammlung statt, welche die Fortsetzung der Fichtelgebirgsbahn von Thiersheim abzweigend über Hohenberg und Liebenstein nach Franzensbad und damit die Verbindung der Orte Franzensbad und Neuenmark-Wirsberg anstrebt. Die Industrie sowie die Städte und Gemeinden waren sehr zahlreich vertreten. Unter anderem waren Vertreter aus Franzensbad, Seeberg, Lieben-stein, Eichelberg, Hohenberg, Arzberg, Thiersheim, Thierstein, Wunsiedel, Weißenstadt, Gefrees, Bischofs-grün, Berneck und Bayreuth anwesend, Nach den Ausführungen der einzelnen Referenten und denen des Oberbaurats Miller aus Nürnberg, welcher die Trassierung der Linie in längeren Ausführungen eingehend schilderte, setzte ein reger Meinungsaustausch ein. Es handelt sich hier zunächst einzig und allein um die Projektierung des östlichen Teils, also der Strecke Thiersheim-Hohenberg-Liebenstein-Franzensbad. Aus den Darlegungen sämtlicher Redner wurde festgestellt, dass unter allen Umständen das Fußstück der Fichtelgebirgsbahn, das ist Franzensbad-Thiersheim zuerst in Angriff genommen werden müsse und das sich dann alles Weitere zwangsläufig von selbst entwickeln werde. Die Versammlung beschloss daher auch einmütig mit der Projektierung dieser Teilstrecke unverzüglich zu beginnen….. Der Arbeitsausschuss „Ost“ wurde ermächtigt, alles Weitere sofort in Angriff zu nehmen und den Oberbaurat W. Miller mit den Projektierungsarbeiten zu betrauen.“

Die fertig geplante Trasse hat folgenden Verlauf:
Eisenbahnbau

Vom Bahnhof Thiersheim herführend – an Stemmas vorbei – nach Kothigenbibersbach (hier Bhf.) – westlich Rosenbühl – Sandmühle – südlich Schacht – Arzberg-Nord (hier Bhf.) – südlich an Dietersgrün vorbei – Richtung Weidighaus – zwischen Weidighaus und Raithenbach – Richtung Freundschaft – südwestlich davon (hier Bhf. Hohenberg) – Die Porzellanfabrik C.M.Hutschenreuther soll mit einem Industriegeleise mit dem Bahnhof verbunden werden. Bei Straßenkilometer 13 wird die Straße Hohenberg-Schirnding mit einer Brücke überführt. Weiterer Verlauf am linken (=nördlichen) Hang des Weißenbachtales mit Gefälle Richtung Grenze. Die Straße Hohenberg – Fischern wird senkrecht gequert – hier mit einem Haltepunkt für Fischern u. Markhausen. Erhöhte Überschreitung des Egertales (wegen Hochwassergefahr) mit einer Brücke und geschütteten Erddamm. Weiterführung der Linie mit 20 bis 25 pro Mille ansteigend am linken, d.h. östlichen Hang des Grasbachtales entlang bis hinauf zur Steinmühle. Hier ist ein Haltepunkt an genannter Mühle für die Ortschaft Eichelberg und dem südlichen Ortsteil von Liebenstein vorgesehen. – Querung des Grasbachs bei der Steinmühle – Weiterführung am Westufer Hammerteich – nördlich an Liebenstein vorbei Richtung Stockteich – (hier Bhf. Liebenstein-Nord) – südlich Seichenreuther Teich und nördlich von Seeberg bei Meierhof (hier Bhf Seeberg) – zwischen Tannenberg und Oedt nach Oberlohma (hier Bhf.) – bis Franzensbad (Bhf.)

Der überschlägige Kostenvoranschlag zur Herstellung dieser vollspurigen Bahnlinie beziffert das Ingenieurbüro Miller wie folgt:

Stand Nov. 1925                  Vorkriegspreis (um 1912)

Thiersheim bis Landesgrenze (12,53 km) 2 103 000                        1 202 000 Mark

Landesgrenze bis Liebenstein (4,85 km)             955 000                   546 000 Mark

Liebenstein bis Oberlohma –

(Franzensbad)                        (8,43 km)         2 450 000                 1 400 000 Mark  

Gesamt-Strecke                  (25,81 km)   5 508 000                        3 148 000 Mark

In dem Aktenband (Archiv-Nr, 80003, 1006) befinden sich zahlreiche Unterlagen und Pläne, die von den emsigen Tätigkeiten des Arbeitsausschusses „Ost“ in den folgenden Monaten informieren. Umfangreiche Schriftwechsel mit dem Ingenieurbüro Miller, den interessierten Orten und deren Ratsbeschlüsse, mit Ministerien, Ämtern und Behörden, ferner Denkschriften, Gutachten, Stellungs-nahmen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen etc. dokumentieren die Aktivitäten.

Auch ein Advokat namens Traub in Böhmisch Brod wurde eingeschaltet, der, zusammen mit Pfarrer Stössel von Liebenstein, die Interessen des Ausschusses gegenüber den tschechischen Behörden vertreten soll – die geplante Strecke führte schließlich über die Landesgrenze nach Liebenstein – Franzensbad. Die Verhandlungen im Prager Eisenbahnministerium verliefen jedoch schleppend.

Noch im Herbst 1925 schien das Projekt voranzugehen. Detailierte Pläne über die Linienführung, mit zu erstellenden Bahnhöfen und Haltepunkten lagen fertig ausgearbeitet vor. Auch zwei neu aufgefundene Braunkohleflöze (1925) nahe Hohenberg/Fischern gaben weitere günstige Perspektiven.

Da schreibt das „Selber Tagblatt“ unterm 9. September 1925. Vor Wochen beschäftigte man sich in verschiedenen Orten Oberfrankens mit dem Bau einer Bahn von Franzensbad über Liebenstein und Hohenberg nach Thiersheim mit eventueller Verlängerung bis Wunsiedel und Bayreuth und hat keine Kosten zur schnelleren Ausarbeitung der Pläne gescheut. Nun teilt die tschechische Verkehrs-verwaltung mit, dass sie kein Interesse an diesem Projekt habe. Dadurch dürfte dasselbe vorerst wieder begraben sein, um von späteren Generationen erneut aufgegriffen zu werden.

Wie ein Paukenschlag wirkte dann die Mitteilung aus dem Staatsministerium d. Innern des Freistaates Bayern vom 14. Januar 1926, dass die Bauwürdigkeit der Bahnlinie von der Deutschen Reichsbahn-gesellschaft (auch nach nochmaliger Überprüfung) nicht anerkannt werde. Als Gründe werden der überall bestehende Geldmangel sowie die vorsorgliche Vermeidung verlustbringender Ausgaben genannt.

Schließlich wird Ende Oktober 1926 dem Advokaten vom Arbeitsausschuss „Ost“ mitgeteilt, „ …dass das Projekt fix und fertig ausgearbeitet vorläge und nur wegen der derzeitigen schlechten wirtschaftlichen Lage momentan nicht verwirklicht werden könne. Die Angelegenheit ruhe einstweilen.“    Damit war das Eisenbahnprojekt endgültig gestorben.

Siegfried Röder