An der Abzweigung der Straße nach Fischern, gegenüber dem Gebäude der ehemaligen Sparkasse, steht ein mächtiger Eichenbaum, die sogenannte Friedenseiche. Sie erinnert an die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, in deren Folge die Sparkasse 1875 gegründet wurde. Der Baum ist wenige Jahre zuvor aus Anlass des siegreich beendeten Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 gepflanzt worden.

Im Hohenberger Stadtarchiv hat sich ein Bericht erhalten, den der damalige Marktschreiber Matthäus Wölfel über den Verlauf der Friedensfeierlichkeiten abfasste. Wölfel fungierte auch als erster Kassier der Sparkasse.

In dem Bericht wird die Pflanzung der Friedenseiche erwähnt. Wir lesen heute, nach knapp 145 Jahren, diesen Bericht mit zwiespältigen Gefühlen, zumal die Bevölkerung zwei weitere Kriege und ihre Folgen erlebten, die unser Volk und Land in tiefstes Leid und Elend stürzten.

Hier der wortgetreue Bericht von 1871:
„Schon die erste Nachricht vom Abschluß des Friedens, welche auf telegraphischem Weg am 27. Februar in Hohenberg eintraf, hatte alle Bewohner in die gehobenste Stimmung versetzt und die glänzende Beleuchtung des Marktes in der Nacht gab Zeugniß von den Gefühlen, die dieses langersehnte Ereigniß, welches dem Kriege einen der Ehre und den Opfern Deutschlands würdigen Abschluß gab, in allen denkenden Einwohnern hervorrief. Transparente mit sinnigen Inschriften und Figuren schmückten die Fenster und war es besonders eine Friedensgöttin, von einem dahier lebenden Thüringer gemalt, welche allgemeine Anerkennung fand.

Als dann die Hohenberger Musikgesellschaft einige gewählte Piecen [Stücke] auf dem Markt aufgespielt, dann der Gesangverein die Lieder: „Was ist des Deutschen Vaterland?“ und „Die Wacht am Rhein“ gesungen hatte und das alte Danklied: „Nun danket alle Gott“ unter dem Geläute aller Glocken von den Sängern vorgetragen wurde, da war vielleicht kein Auge tränenleer und wohl kein Herz, das nicht alle Worte dieses Liedes mitempfunden hätte.

Am 9. März traf die amtliche Mittheilung ein, daß Sonntag, der 12. März für die kirchliche Feier des Friedens bestimmt sei. Sofort waren hunderte von Menschen thätig, diese Feier zu einer würdigen und allgemeinen zu machen.

Als Samstag Nachmittags 2 Uhr alle Glocken die Nähe des Festes verkündeten, waren alle Häuser reich mit Kränzen von Tannenzweigen und fliegenden Bändern geschmückt, vier Ehrenbogen waren in den Straßen aufgerichtet, große und kleine Fahnen in deutschen Farben flatterten lustig im Winde. Böllerschüsse verkündeten die frohe Botschaft auch aus dem Auslande, deren Bewohner der Mehrzahl nach, die Früchte aus dem Siegen unserer Krieger uns nie recht gönnen können. Ein leichter Nebel am Sonntagmorgen wich bald den Strahlen der Sonne und ein heiterer wolkenleerer Himmel erhöhte die Feier des Tages.

Die Vertreter der Gemeinde, das k. Forstpersonal und die übrige Bürgerschaft hatte sich um 9 Uhr Vormittags im Rathszimmer versammelt und hierauf zu einem Festzug geordnet. Voran eine deutsche Fahne und die Fahne der Bürgerschaft, bewegte sich solcher unter Pauken- und Trompetenschall zum Schulhaus, wo er die dort bereits versammelte, Fahnen und Kränze tragende Schuljugend aufnahm und von da aus, unter den Klängen eines Chorals, in die Kirche einzog.

Einer ergreifenden Predigt des k. Pfarrers Schöner über den Deutschen Völkerfrühling, den Wert des Friedens und den Geber des Friedens, der er den 118. Psalm zu Grunde gelegt hatte, folgte die Kantate „Preis und Anbetung sei unserm Gott“ von Ch.H.Rink, und das Kirchenlied „Nun danket alle Gott“ von dem Gesangverein vorgetragen und war es vornehmlich dieser Gesang, der dem Gottesdienste das Gepräge des Festlichen und Außergewöhnlichen verlieh.

Nach Beendigung des Gottesdienstes marschierte der Festzug zum Rathszimmer zurück und löste sich hier auf.

Nachmittags 2 Uhr bildete die Bürgerschaft und die Schuljugend einen Festzug vor dem Schulhause, der sich zu dem Platze, wo die Straße nach Fischern abzweigt, begab.

Hier fand die Pflanzung einer Eiche statt, nachdem Herr Bürgermeister Wolf über die Bedeutung der Eiche als Sinnbild deutscher Kraft und Ausdauer in anziehender und gefälliger Weise gesprochen hatte.

Schließlich empfahl er die gepflanzte Eiche als Erinnerungszeichen an die heutige Friedensfeier der Pflege und dem Schutze der Anwesenden, besonders der Jugend.

Nach diesem Akte verfügte sich die Menge in die Kirche, wo zum Gedächtnis der gefallenen Krieger aus Hohenberg:

Christian Pfeifer, gefallen den 1. September 1870 In der Schlacht bei Sedan, Jäger im 3. Batt.

Christoph Gewinner, dem Typhus erlegen am September 1870 in Sedan, Soldat des k. 2.Cuirassier Reg.

Ein feierlicher Trauergottesdienst stattfand und zu Ehren derselben eine Gedenktafel in der Kirche angebracht wurde. Der Predigt schloss sich an ein Trauergesang des Gesangvereins: „Ruhe sanft, hier wo die Schwüle banger Erdentage weicht“, von Ad. W. Erk.

Abends um 7 Uhr prangten alle Häuser im Lichterglanz, zahlreiche Transparente schmückten die Fenster, ein Freudenfeuer auf dem Birkenbühl loderte hoch auf. Feuerwerke schwirrten durch die Luft.

Die Bürgerschaft und Schuljugend hatten sich vor dem Rathszimmer aufgestellt und zogen, gefolgt von einer großen Menschenmenge, unter den Klängen der Musik in den Mühlweg hinab und wieder zurück auf den Marktplatz. Hier wurde „Das Deutsche Lied…“ von den Sängern abgesungen und das Geläute aller Glocken beschloss die Feier des Tages.

Ein Concert im Harmonielokale vereinigte die hiesigen Bürger zu einer Abendunterhaltung und hielt dieselben bis nach Mitternacht fest.“

Seit 2014 wird der Platz zwischen der „Friedenseiche“ und dem Ende 2004 daneben errichteten Denkmal „Nie mehr Flucht und Vertreibung“ von der Stadt Hohenberg genutzt, um in einer offiziellen Feier an den Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 zu erinnern und den Tag der Deutschen Einheit würdig zu begehen.

Siegfried Röder